Karneval in Rio de Janeiro, Brasilien, 17. – 22. Februar 2023

Wer kennt ihn nicht – den berühmten Karneval in Rio de Janeiro (carnaval do Rio oder carnaval carioca), der Stadt des Zuckerhuts, der Copacabana und der Ipanema. Dieser findet interessanterweise zeitgleich mit dem Kölner Karneval statt. Am Freitag vor Aschermittwoch ab 18:00 beginnen diese Feierlichkeiten, welche zu den größten und farbenprächtigsten Festen der Welt zählen. Die lautstarken und farbenprächtigen Paraden ziehen bis in die frühen Morgenstunden durch Rio. 1840 wurde zuerst mit Polka und Walzer der erste Karneval gefeiert, bevor die Samba den Einzug erhielt. Heute sind das Tourismusbüro sowie die „unabhängige Liga der Sambaschulen“ (Liga Independente das Escolas de Samba do Rio de Janeiro, kurz: LIESA) für die Organisation, Koordination und Vermarktung dieses Events verantwortlich.
Ausgehend von diesen 50 brasilianischen Sambaschulen (Escolas de Samba) werden, das jeweilige Thema, die Dekoration der bunt geschmückten Festwägen, sowie die der prächtigen atemberaubenden Kostüme, aufeinander abgestimmt. Dementsprechend orientiert sich auch der Rhythmus, das Zusammenspiel der Gruppe sowie die Choreografie. Die Kosten für diese wunderschönen Kostüme  „fantasias“, welche nur ein paar Stunden getragen werden, müssen sich die Teilnehmer meistens durch harte Arbeit selbst finanzieren. Jede Sambaschule präsentiert sich nur mit einem einzigen Song. Zwischen 65 – 82 Minuten haben die teilnehmenden Gruppen im gegenseitigen Wettkampf Zeit sich zu präsentieren. Jede Unter- oder Überschreitung kostet wertvolle Punkte. Die Reihenfolge wird per Los entschieden. Jedoch aufgepasst, die unbestechliche Jury beurteilt die diversen Darbietungen hinsichtlich Kostüme, Rhythmus und Trommelwirbel im Einklang zum Tanz. Diese Bewertung ist sehr streng und jeder kleiner Fehler wird bereits mit Punktabzug bestraft. Der Höhepunkt ist der Karnevalssonntag und -montag. Die zwölf besten Sambaschulen der ersten Liga mit jeweils 3.000 bis 5.000 Teilnehmern werden jeweils in 40 Gruppen mit 5 – 8 Festwägen eingeteilt. Am Aschermittwoch wird die beste Sambaschule des Karnevals in Rio prämiert. Ein spektakuläres Ereignis mit Feuerwerk und Siegesfeier. Diese wird auch bei uns im Fernsehen übertragen. Diese Fernsehrechte und die Einnahmen von Plattenfirmen sind eine große Einnahmequelle für die Sambaschulen. Denn auch hier gilt, nach dem Karneval 2023 ist vor dem Karneval 2024. Bereits ab November wird wieder fleißig gefeiert und geprobt. Wiederum werden hier abermals tausende helfende Hände gebraucht. Finanziert wird der Karneval in Rio größtenteils von privaten Sponsoren.

  • Die Geschichte des Karnevals

Vermutlich wurde diese Art des Karnevals schon im 17. Jh. von den Portugiesen nach Brasilien gebracht. Bereits damals feierten die Menschen ausgelassen die letzten Tage, bevor die Fastenzeit anfing. Zuerst als ausgelassenes und ausartendes Treiben auf den Straßen, mausert sich diese Tradition ab 1840 zum Fest des Bürgertums. Veranstaltungen fanden zunächst in noblen Ballhäusern statt, bevor 1928 die erste Sambaschule Mangueira entstand. Bereits sieben Jahre später fanden die ersten 1,7 km langen Umzüge statt.

2006 wurde die sogenannte Sambastadt eröffnet. Hier können die Sambaschulen ihre prächtigen Festwagen bauen. Als mittlerweile Fulltimejob bereiten sich die Tänzerinnen und Musiker das ganze Jahr über auf diesen einen großen Auftritt vor.

Während in anderen Gegenden von Brasilien die Wiederbelebung des populären Straßenkarnevals von statten ging, blieben in Rio de Janeiro die traditionellen Salon- und Clubkarneval und vor allem die organisierten Umzüge der Sambaschulen weiter dominierend.

  • Die Entstehung der Samba-Rhythmen

Der erste Karnevalsclub wurde auch von einem Portugiesen, José Nogueira Paredes gegründet. Es sollte für jeden Laien im Club möglich sein auf einer Trommel denselben Rhythmus zu spielen, damit ein einheitlicher Klang entsteht. Unter der Regierung Getúlio Vargas wurde der Samba 1934 zum offiziellen Tanz des Karnevals erklärt.

  • Sambódromo – Herzstück des berühmten Karnevals

Seit 1984 findet dieses Fest in der Karnevalsarena Sambódromo da Marquês de Sapucaí (daher oft kurz Sapucaí genannt) statt. Sie ist eine gewaltige Tribünenstraße im Stadtteil Estácio. Im Februar verwandelt sich dieser unscheinbare Bau in einen kochenden Hexenkessel aus Licht, Farben, Musik und Tanz. Verantwortlich hierfür ist der weltweit bekannte brasilianische Architekt und Kurvenfan Oscar Niemeyer, welcher hierfür die Pläne entworfen hatte. Diese „Kampfarena der Karnevalisten“ stellt eine 700 Meter lange Allee dar, bei dem am Ende ein überdimensionales Tor als Ziel gesetzt ist. Im Alltag ein langweiliger Betonklotz, erwacht dieses Gebäude im Februar für 4 Nächte zum Leben und lässt den grauen Alltag vergessen. Obwohl diese „Arena“ Platz für 88.500 Karnevalbegeisterte bietet, ist es eigentlich jetzt schon zu klein. Jedoch steht es unter Denkmalschutz und darf daher baulich nicht verändert werden.

  • Championsleague der Sambaschulen – Vergleich zum Fußball

Der Karneval zeigt sehr viele Parallelen zum Fußball. So sind die Teams die konkurrierenden Sambaschulen, welche sich auch durch die jeweiligen Farben für die Akteure und die Fans unterscheiden. Die Schulen sind in 4 Ligen aufgeteilt, die 12 besten in der Grupo Especial. Das Stadion ist das bereits zuvor beschriebene Sambódromo. Die Spielstrategie ist das jeweils ausgewählte Thema. Dies kann eine Figur aus der Geschichte oder Literatur sein, ein anderes Land der Erde präsentieren, oder ein völlig freies Motto. Bezüglich der Aufstellung ist die berühmteste Position die der Königin der Rhythmusgruppe (rainha de bateria), welche vor der Kapelle tanzt, oft eine Prominente aus Brasiliens Showbiz. Manchmal ist dies auch ein Karnevalspaar.

  • Die Brasilianer – die Kölner des Südens

Zwar gibt es am Zuckerhut kein Kölsch, dafür bewegt man sich hier wie in Köln, sowohl fußballerisch als auch karnevalistisch, auf allerhöchstem Niveau. Nicht umsonst gilt der Brasilianer als der Kölner des Südens. Am Zuckerhut wie auch am Rhein ist der wahre Karneval jedoch der Volkskarneval, welcher auf den Straßen und in kleinen Kneipen stattfindet und hat eigentlich denkbar wenig mit dem zu tun, was man aus dem Fernsehen kennt. Doch das Fernsehen ist ein wichtiger Imageträger. So sind die Preise während der Karnevalszeit in Köln und Rio vergleichbar hoch. Gelten in Köln jedoch traditionelle Verkleidungen, gilt an der Copacabana weniger ist mehr, aber immer mit viel Glitzer, Federboas, enorme Juwelen, venezianische Masken und natürlich viel nahtlos gebräunte Haut. Bei dem dort herrschenden subäquatorialen Sommer ist das kein Wunder. Die Paraden werden im Gegensatz zu Köln zwei Mal aufgeführt und es werden auch keine Kamellen (Süßigkeiten) geworfen. Über Rio wacht Christus auf dem Corcovado, über Köln der Dom.

 „Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht. Tanze Samba mit mir, weil die Samba uns glücklich macht“ ist ein berühmter deutscher Schlager anno 1978 gesungen von Tony Holiday.


Viel nackte Haut, viel Glitzer, viel Samba – der Karneval in Rio de Janeiro erscheint so faszinierend aus der Ferne betrachtet. Aber es geht wie beim Futebol nicht allein um die Show, sondern ebenso um die Liebe der Fans. Um Leidenschaft. Um Lorbeeren.

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